Reform der Pflegeausbildung notwendig, aber nicht so!

Bernd Tews

Bernd Tews, bpa Geschäftsführer

Ein Beitrag von Bernd Tews, Geschäftsführer des bpa – Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V..

Das Pflegeberufereformgesetz hat zum Ziel, die qualitative Pflegeversorgung sicherzustellen. Der bpa hält zur nachhaltigen Sicherung der Fachkräftebasis eine Reform der Pflegeausbildung für richtig. Um die Pflegeberufe zukunftsgerecht weiterzuentwickeln und attraktiver zu gestalten, ist der vorliegende Gesetzentwurf allerdings nicht geeignet.

Die geplante Zusammenlegung der bisherigen drei Pflegeberufe zu einer sogenannten generalistischen Pflegeausbildung wird die Attraktivität der Pflege nicht steigern, sondern zu

•    einer Abschaffung der Altenpflege und einer Konzentration auf die Krankenpflege,
•    weniger Praxis beim Träger der praktischen Ausbildung,
•    höheren Abbrecherquoten bei der Ausbildung insbesondere durch Hauptschüler,
•    einer Verflachung des Wissens,
•    einer sinkenden Zahl von Ausbildungsplätzen,
•    einem Anstieg des Fachkräftemangels,
•    höheren Kosten
•    sowie zu mehr Bürokratie führen.

Mit großem politischem Druck wird versucht, eine Vereinigung unterschiedlicher Ausbildungsberufe zu erzwingen. Die derzeitigen Rekordausbildungszahlen in der Altenpflege würden hierbei aufs Spiel gesetzt und die bewährte Sicherstellung der pflegerischen Versorgung wäre gefährdet.

Die Finanzierung der geplanten Pflegeberufsausbildung wird von unterschiedlichen Institutionen kritisch gewürdigt. Vergleicht man die heute bestehenden Kosten für die Ausbildung mit denen, die für die Generalistik angegebenen werden, besteht eine Deckungslücke von rund 160 Millionen Euro. Um diesen Fehlbetrag auszugleichen, müssen entweder 25.000 Ausbildungsplätze pro Jahr wegfallen oder die Kosten werden für alle anderen Kostenträger der Ausbildung – d.h. die Länder, Pflegekassen, Krankenkassen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Pflegedienste – höher ausfallen. Nach Einschätzung des bpa werden die geplanten Neuregelungen für jeden Träger zu einem Mehraufwand führen, der ungefähr dem Stellenumfang einer halben Pflegefachkraft (etwa 24.000 Euro p.a.) entspricht. Auch die pflegebedürftigen Menschen werden künftig mit zusätzlichen Kosten für das Umlagesystem – zulasten ihrer ohnehin gedeckelten Teilleistungen aus der Pflegeversicherung – belastet. Des Weiteren werden ihnen die Schulkosten für die „Berufsschulen“ aufgebürdet.

Ein für den bpa gangbarer Weg, den mittlerweile auch die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg favorisiert, wäre, die Pflegeberufe zu reformieren, einheitliche Ausbildungsinhalte gemeinsam zu vermitteln und eine Schwerpunktbildung mit einem gesonderten Abschluss. Das wäre richtungsweisend – auch für Europa.

Die Diskussion zum Thema wird sicher spannend: Am Donnerstag, 09. Juni 2016
von 11:30 – 13:00 Uhr  „Das neue Pflegeberufegesetz: Altenpflege ade? Generalistik im Wartestand“ in A5.

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