Umdenken in Politik und Wirtschaft nötig- Potenziale chronisch Erkrankter besser nutzen

Ein Beitrag von Alexander Würfel, Geschäftsführer, AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG

Die Altersverteilung auf dem Arbeitsmarkt wird sich drastisch verschieben. Laut Demografiebericht der Bundesregierung werden 2030 knapp 29 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein, 2060 bereits mehr als jeder Dritte. Das bedeutet auch mehr chronisch Erkrankte. Schon heute leidet rund ein Drittel der Erwerbsfähigen unter einer chronischen Krankheit – auch wichtige Fachkräfte. Unternehmen sind deshalb gezwungen, auf diese Entwicklung zu reagieren, wenn sie weiter erfolgreich wirtschaften wollen. Sie müssen es zur Chefsache machen, Lösungen für die Arbeitsfähigkeit chronisch kranker und älterer Mitarbeiter zu entwickeln.

Die Potentiale chronisch kranker Menschen sind unverzichtbar

Wie hoch der Handlungsbedarf ist, verdeutlichen die folgenden Zahlen: Allein im Jahr 2012 hätte die deutsche Volkswirtschaft bis zu 20 Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften können, wenn chronisch kranke Arbeitnehmer bei der Bewältigung und Behandlung ihrer Krankheit besser unterstützt worden wären. Dabei können chronisch kranke Mitarbeiter oft durch einfache Maßnahmen wieder in den Betriebsalltag integriert werden – etwa mittels spezieller Ausstattung des Arbeitsplatzes, flexibler Arbeitszeiten oder Umschulungen. Viele Arbeitgeber wissen auch nicht, dass sie für die Anpassung des Arbeitsplatzes kostenfreie Beratung und Förderungen erhalten.

Diesen Paradigmenwechsel können Arbeitgeber aber nicht alleine schaffen. Krankenkassen, Politik, das gesamte Gesundheitssystem sind dazu eingeladen, gemeinsam nach Lösungen für eine bessere Integration chronisch kranker Arbeitnehmer zu suchen.

Mit gezielten Maßnahmen unterstützen wir Patienten im Umgang mit ihrer Krankheit

Wir haben diesen Handlungsbedarf erkannt– und das über die Entwicklung und Erforschung innovativer Therapien hinaus. Wir denken, dass sich der gesellschaftliche Umgang mit chronisch Erkrankten ändern muss. Dafür setzen wir uns ein indem wir Initiativen gründen und unterstützen, beispielsweise „Nicht zu ersetzen?!“. Über dieses Projekt entwickeln wir Konzepte zur Verbesserung der Situation von chronisch kranken Menschen im Arbeitsleben. Zusammen mit Prof. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen und anderen Partnern arbeiten wir dafür an Studien und Lösungen für eine bessere Zusammenarbeit der Akteure im Umgang mit chronisch kranken Arbeitnehmern und möchten zu Dialogen auf oberster politischer Ebene aufrufen.

Auch als Arbeitgeber werden wir dieser Verantwortung gerecht. Denn die Gesundheit unserer Mitarbeiter liegt uns genauso am Herzen wie die der Patienten. Sie ist bei uns Chefsache. Die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft unserer Beschäftigten ermöglichen wir durch ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement und eine lebensphasenorientierte Personalpolitik, die eine flexible Arbeitszeitgestaltung und die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und auch einer Erkrankung erlaubt. Über das Mitarbeiter-Patienten-Gremium engagieren sich chronisch kranke Angestellte sowie Angehörige für ein offenes und solidarisches Betriebsklima sowie konkrete Verbesserungen am Arbeitsplatz. Ihre Expertise erleichtert Arbeitsplätze entsprechend den Bedürfnissen chronisch kranker Mitarbeiter zu gestalten und diese somit bis zum Renteneintritt im Unternehmen zu halten.

Ein Wertewandel hin zu einer fähigkeitsorientierten, flexiblen Beschäftigungskultur ist dringend notwendig.

Ihr Alexander Würfel

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