Werden junge Ärztinnen und Ärzte gut genug gegen Stress geschützt?

Prof. Dr. Albert Nienhaus

Prof. Dr. Albert Nienhaus, Forschungsbeauftragter der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

Ein Beitrag von Prof. Dr. Albert Nienhaus, Forschungsbeauftragter der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und Professor am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE).

Die Generation Y, also die Angehörigen der Jahrgänge 1980 bis etwa 1999, ist längst in den Kliniken und ärztlichen Praxen angekommen. Auch sie sind durch Stress bereits hoch belastet und zeigen entsprechende Beanspruchungsreaktionen. Der Schutz vor den negativen Folgen von Stress ist vor allem eine Aufgabe der Führungsebene – sie muss ihre Rolle nur annehmen.

Viele junge Ärztinnen und Ärzte bringen heute hohe Ansprüche mit: Der Generation Y wird nachgesagt, dass sie weniger bereit ist als ältere Jahrgänge, dem Beruf alle anderen Interessen unterzuordnen. Zwar sucht der Nachwuchs eine gesunde Balance zwischen Arbeit, Freizeit und Familie. Doch der Beruf fordert auch diese Gruppe heraus – und bringt entsprechend hohe Belastungen mit sich. Das junge Alter schein sie nicht zu schützen.

Gesundheit und Qualität der Patientenversorgung leiden

Zu den typischen Stressauslösern – den Stressoren – zählen unter anderem Schwachstellen der Arbeitsorganisation, schwierige Interaktionen mit Patienten sowie Probleme in der Zusammenarbeit innerhalb des Teams und mit der Führungsebene. Damit verbunden ist das Risiko, dass sich Stressoren langfristig negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken. Dies haben wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Außerdem kann die Qualität der Patientenversorgung leiden.
Wie lassen sich diese Gefahren abwenden? Und wird in den Betrieben genug unternommen, um den Risikofaktor Stress auszuschalten? Entscheidend ist, dass sich die Führungskräften gegenüber den jungen Kolleginnen und Kollegen richtig verhalten: Den Chef- und Oberärztinnen und -ärzten sollte klar sein, dass sie die Rahmenbedingungen für die zu leistende Arbeit festlegen – und damit großen Einfluss auf das Befinden ihres Personals haben.

Beschäftigte in Maßnahmen gegen Stress einbeziehen

Die Bandbreite möglicher Maßnahmen ist groß. Als Basis ist eine gute Anleitung ist von hoher Bedeutung. Wer seine Beschäftigten im Beruf zudem weiterbildet, kann ihnen mittelfristig mehr Verantwortung übergeben und sie dadurch motivieren. Langfristig sollte an der Unternehmenskultur gearbeitet werden. Hierfür kann beispielsweise gemeinsam ein Leitbild entwickelt werden. Auch die Einführung von Qualitäts- und Gesundheitszirkeln zielt in diese Richtung. Dabei legt die Belegschaft fest, wie sie die Arbeit verbessern kann und ihre Gesundheit fördern möchte.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege unterstützt Betriebe gern, die das Thema Stress angehen möchten, etwa mit Seminaren, Medien und Beratung. Sie stellt zudem umfangreiches Material bereit, mit dem sich eine Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterbefragung zum Ermitteln von Stressoren und Ressourcen durchführen lässt.

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