Brain-Computer-Interface: Wenn Gedanken einen robotischen Arm steuern…

Prof. Dr. Holger Holthusen

Prof. Dr. Holger Holthusen, Ärztlicher Direktor im Klinikum Vest

Ein Beitrag von Prof. Dr. Holger Holthusen, Ärztlicher Direktor im Klinikum Vest und Vorsitzender des Medizinischen Beirats der Knappschaft Kliniken GmbH.

Das Fenster zum Hirn öffnet sich: Mit Hilfe der Computertomographie gelang es erstmals, detaillierte Strukturen des Gehirns am lebenden Menschen abzubilden, jedoch konnten daraus noch keine weitreichenden Rückschlüsse auf seine Informationsverarbeitung gezogen werden. Einen bedeutenden Schritt weiter gekommen war man mit der Entwicklung der funktionellen Kernspintomographie, mit der man dem Gehirn quasi beim Arbeiten – sprich Denken – zusehen kann.

Doch nun stehen wir an der Schwelle zu Möglichkeiten, die vor kurzem noch als Science Fiction galten: das Gehirn anzuzapfen, Gedanken zu lesen. Erste Anwendungen sind schon Realität geworden. Hatte Stephen Hawking seinen Sprachcomputer noch mittels Zuckungen seines rechten Wangenmuskels bedient, wurde kürzlich einer Patientin mit der gleichen Muskelerkrankung eine Elektrode in den Bereich des Gehirns implantiert, in dem die Muskelkontrolle stattfindet, wodurch die Patientin jetzt Wörter rein kraft ihrer Gedanken tippen kanng. Patienten mit einem kompletten Locked-in-Syndrom können bei u. U. völlig wachem Geist nicht mit der Umwelt in Kontakt treten. Im letzten Jahr ist es erstmals gelungen, durch Decodieren der Hirnströme Antworten auf einfache Ja-Nein-Fragen zu erhalten – gigantische Durchbrüche für diese Patienten und ihre Angehörigen.

Ein Ziel der rehabilitativen Medizin ist die Entwicklung von hoch spezialisierten Neuroprothesen, die Gelähmten ihre willkürliche Bewegungsfähigkeit und anderen ihre Sprache zurückzugeben können. Geforscht wird mit Hirnimplantaten aber auch mit nicht-invasivem Abgreifen von Impulsen an der Oberfläche des Kopfes. Die Möglichkeit elektrische, optische oder magnetische Impulse des Gehirns dechiffrieren zu können, ist eng verknüpft mit der Rechenleistung moderner Computer. Da diese weiterhin exponentiell wächst und neue Algorithmen sie noch effektiver macht, erscheint ein Aufschlüsseln auch komplexerer Gedankenimpulse nicht mehr ausgeschlossen. Werden wir in Zukunft Textnachrichten per Gedanken versenden? Facebook arbeitet jedenfalls an solch einer Technik mit mehr als 60 Forschern und einem Budget von mehreren hundert Millionen Dollar.
Das Zusammenspiel Brain-Computer-Interface und Anthropotechnik ist nicht nur hoch faszinierend, es wirft auch philosophische, auch kritische Fragen auf.

Diskutieren Sie mit drei Neuroforschern aus der ersten Reihe und einem Philosophen und Anthropotechnik-Spezialisten in der Sitzung „Brain-Computer-Interface: Wenn Gedanken einen robotischen Arm steuernam Donnerstag 7. Juni 16:30 – 18:00 Uhr.

Werfen Sie mit uns einen Blick in die Zukunft.

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