Computer in der Medizin: Vom Assistenten zum Akteur

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Wiss. Leiter des Deutschen Ärzteforums

Ein Beitrag von Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Ärzteforums beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit.

Auch wenn der Bereich Medizin von der Digitalisierung noch längst nicht so durchdrungen ist wie weite Bereiche der Industrie: Ohne Computer, Big Data und Algorithmen lässt sich der Alltag in Praxen und Kliniken gar nicht mehr vorstellen. Sie ermöglichen hochpräzises Operieren, berechnen passgenaue Implantate, warnen vor Übermedikation und gefährlichen Wechselwirkungen, berechnen OP-Risiken und ermöglichen telemedizinischen Untersuchungen von Patienten, die auf Offshore-Windparks oder auf Schiffen weit abgeschnitten von regulärer medizinischer Versorgung sind. Auch die gerade erfolgte Lockerung des Fernbehandlungsverbots mit der Möglichkeit, Online-Sprechstunden auch in Deutschland einzuführen, ist nur durch die Nutzung von Datenströmen zu einer Option geworden.

Doch das ist erst der Anfang der Digitalisierung, und die aufgeführten Beispiele sind alles Anwendungen, die den Arzt bei seiner Arbeit unterstützen und ihn nicht ersetzen. Mit dem verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist der Computer allerdings dabei sich vom Assistenten zum Akteur zu wandeln: So wertet ein Programm radiologische Daten zunehmend schneller und präziser aus als der Arzt. Das gilt zwar derzeit nur für Routine-Befunde, aber die lernenden Systeme werden nicht lange brauchen, auch seltene und außergewöhnliche Bilder richtig zu bewerten und einzuordnen.

Aus den vorhandenen Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen – daran arbeiten nicht nur Medizinkonzerne, sondern auch Apple, Google & Co. Mit ihrem Einfluss, mit ihrer Marktmacht werden sie das Gesundheitswesen weltweit maßgeblich beeinflussen, im professionellen Bereich mit hochsensibler Diagnostik, im Endkunden/Patienten-Bereich beispielsweise durch Apps. Ein deutsches Gesundheitsportal hat jetzt gerade die ersten Chatbots im Einsatz, ein digitales System zur Ermittlung von möglichen Krankheiten. Der Nutzer gibt Symptome ein, am Ende spuckt der Algorithmus mehrere mögliche Verdachtsdiagnosen aus.

Die Frage ist also: Wie weit wird der Computer den Arzt in Zukunft wirklich ersetzen und wo kann er ihn guten Gewissens ablösen? Wie sich die Rolle des Arztes verlagert und welche Aufgaben auf ihn zukommen, wollen wir mit Ihnen beim Deutschen Ärzteforum im Rahmen des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit diskutieren. Eine gute Gelegenheit bietet das Panel „iDoc: Löst der Computer den Arzt ab“ am Mittwoch, 6. Juni um 16.30 Uhr.

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