DRGs zu PRGs weiterentwickeln!

Prof. Heinz Lohmann

Prof. Heinz Lohmann, wiss. Leiter, Krankenhaus Klinik Rehabilitation

Ein Beitrag Prof. Heinz Lohmann, wiss. Leiter, Krankenhaus Klinik Rehabilitation.

„Ja, es gibt berechtigte Kritik am DRG-System“, stellt Professor Heinz Lohmann, Wissenschaftlicher Leiter des Managementkongresses KKR auf dem Hauptstadtkongress, unumwunden fest. Richtig sei, dass die DRG-Methodik die Mengenausweitung treibe. Das sei aber von Anfang an klar gewesen. Die DRG-Finanzierung alimentiere schließlich nicht mehr die Institution Krankenhaus, sondern das Geld hänge an der Diagnose des Patienten. Vorher sei es genau umgekehrt gewesen. Als es Geld ohne Leistungsbezug gab, sei der Patient schon mal lästig gewesen. Wenn das Hofbräuhaus budgetiert wäre, wäre der Hinweis am Eingang ökumenisch sinnvoll: „Besuchen Sie den Augustinerkeller!“ Heinz Lohmann wörtlich: „Da ist es gut, dass Patienten als Konsumenten in der Gesundheitswirtschaft inzwischen an Bedeutung gewonnen haben.“

Und natürlich, ja, Fallpauschalen senkten die Verweildauer. Das wäre auch gewollt und vor allem im Interesse der Patienten gewesen. Überhaupt hätten die leistungsbezogenen Preise das Geschehen in den Krankenhäusern transparenter und damit für die Mitwirkung der Betroffenen  zugänglicher gemacht. Deshalb wäre es fatal, jetzt kopflos in die falsche Richtung zu stolpern.

„Die mühsam in den 1980er und 1990er Jahren vorangetriebene Abkehr vom Selbstkostendeckungsprinzip in der Krankenhausfinanzierung durch Pflexit und Äxit rückgängig zu machen, wäre ein Schlag ins Gesicht der Patienten“, so Prof. Lohmann. Ihr Einfluss würde ausgerechnet in einer Zeit verstärkter Patientensouveränität blockiert. Richtig sei deshalb vielmehr, den Leistungsbezug im Entgeltsystem nicht abzuschaffen, sondern über den Diagnosebezug hinaus auszuweiten. Hinzu kommen müsse ganz vorne weg das Patientenwohl als weiterer Maßstab. Deshalb sei die Evidenz in der Medizin genauso zu berücksichtigen, wie Patient Reported Outcomes. Auch müssten patientennahe Investitionen Teil der neuen Krankenhausfinanzierung werden. Und weil die Menschen die wachsenden Möglichkeiten, sie ambulant zu versorgen, überaus schätzten, müssten die Entgeltsysteme der Sektoren harmonisiert werden, auch um die bestehenden Fehlanreize endlich zu überwinden. Lohmann nachdrücklich: „Schauen wir nach vorne, nicht nach hinten. Machen wir aus den DRGs die PRGs –  die Patient Related Groups.“

Beim nächsten Managementkongress KKR auf dem Hauptstadtkongress vom 17. bis 19. Juni 2020 in Berlin steht die Zukunft der Krankenhausfinanzierung ganz oben auf der Agenda. Zudem werden alle wichtigen Themen von den Managerinnen und Managern der Branche diskutiert und zu gemeinsamen Positionen verdichtet.

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