Effizientes Ernährungsmanagement verbindet Sektoren

PD Dr. Michael Adolph

PD Dr. Michael Adolph, Oberarzt, Universitätsklinikums Tübingen

Ein Beitrag von PD Dr. Michael Adolph, Oberarzt und Ärztlicher Leiter der Stabsstelle Ernährungsmanagement des Universitätsklinikums Tübingen.

Eigentlich wissen es alle: Es gibt zu viel mangelernährte Patienten in deutschen Krankenhäusern. Jeder vierte Patient in deutschen Kliniken ist bei stationärer Aufnahme mangelernährt. Nicht nur, dass sich während des Krankenhausaufenthaltes das Gewicht von vielen Patienten reduziert, auch der präoperative Ernährungszustand eines Patienten hat erheblichen Einfluss auf Morbidität, Krankenhausverweildauer und Letalität.
All das hat auch eine finanzielle Komponente, denn dem deutschen Gesundheitssystem entstehen so jährlich Mehrkosten von über 9 Milliarden Euro. Das sind 8 Prozent der Gesamtbehandlungskosten.

Obwohl dies alles längst bekannt ist und Leitlinien ein Mangelernährungsscreening sowie prä- bzw. postoperativen Kostaufbau empfehlen, sehen die meisten Krankenhäuser keine Notwendigkeit für ein qualifiziertes Ernährungsmanagement. Wenig hilfreich sind dabei die alarmierenden Zahlen der Erlössituation. So wurden die ICD-Kodes für Mangelernährung in den letzten fünf Jahren deutlich abgewertet.

Anders sieht es bei uns in Tübingen aus. Am Universitätsklinikum in Tübingen (UKT) hat unser Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender Professor Michael Bamberg die Chancen eines krankenhausweiten Ernährungsmanagements erkannt und eine Vorstandsstabsstelle Ernährungsmanagement etabliert. Dazu zählt auch ein Nutrition Support Team (NST). Mit sechs Diätassistentinnen und einem Kollegen versorgen wir Risikopatienten über Kliniken hinweg mit bedarfsgerechten Konzepten der oralen, enteralen und parenteralen Ernährung. Basis ist ein flächendeckendes Ernährungsscreening, das von den Pflegekräften der kooperierenden Abteilungen durchgeführt wird.

Das NST senkt nachweislich die Komplikationsrate und Liegezeit. So nehmen wir positiven Einfluss auf Lebensqualität und Therapiefähigkeit der Patienten, wodurch sich auch die Therapiekosten reduzieren. Ein gut ernährter Patient hat 50 Prozent mehr Chancen auf ein gutes OP-Ergebnis. Aber das reicht noch nicht. Wichtig ist auch, den Patienten nach der Entlassung gut betreut zu wissen. In Tübingen werden Patienten deshalb weiter betreut. So erhalten bei uns alle Patienten, die als mangelernährt klassifiziert werden,  eine an den Bedarf angepasste Ernährungsempfehlung für zu Hause. Etwa 15 Prozent  werden zu Hause enteral oder parenteral ernährt. Mit besserem Outcome.

Das UKT ist stolz über das Erreichte. Allerdings gibt es auch Bedenken, was die Erlöse angeht. So kann derzeit nach den im DRG-System geltenden Definitionen nur die eingeschränkte Gruppe der stark unterernährten (kleiner BMI)-Patienten kodiert werden. Viele Patienten erhalten deshalb heute keine adäquate Behandlung, wie in den Qualitätsstandards und Leitlinien gefordert. Um die Qualität der Ernährungstherapie sicher zu stellen, fordert deshalb die DGEM einen „OPS Komplexkode“, der auch die Struktur- und Prozessqualität abbildet.

Für dieses Projekt brauchte es umsichtige Partner. Das UKT ist eine Systempartnerschaft mit der B. Braun Melsungen AG eingegangen. Im Vordergrund steht die Qualifizierung aller am Versorgungsprozess beteiligten Berufsgruppen, die Qualität in der Patientenversorgung nach einer leitliniengerechten Ernährungsmedizin und die sektorenübergreifende Betreuung. Damit sichern wir eine reibungslose Versorgung unserer Patienten bis in den ambulanten Bereich. B. Braun ist eine wichtige Stütze in der Umsetzung der Prozess- und Strukturqualität und hilft uns als Systempartner bei der Qualitätssicherung über die Sektorengrenze hinweg. Solche Kooperationen machen unsere Prozesse effizienter und stabilisieren damit die wirtschaftliche Gesamtsituation unserer Klinik.

Diskutieren Sie diesen Sachverhalt am Mittwoch, 6. Juni, 14.00- 15:30 Uhr im wissenschaftlichen Programm des Hauptstadtkongresses in der Sitzung „Sektorübergreifende Versorgung durch gelebte Systempartnerschaft und neue Vergütungssysteme“.

Diskutieren Sie mit uns Ihre Ideen zu möglichen Systempartnerschaften. Sie finden den B. Braun-Stand mit der Stand-Nr.  88 im Ausstellerforum des Kongresses. Wir freuen uns auf Sie!

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